Millionendeal mit Flügeltüren: Wie ein Gütersloher Luxus-Oldtimer international Aufsehen erregt

Ein seltener Mercedes-Benz 300 SL mit ikonischen Flügeltüren – ein Klassiker der 1950er-Jahre. Der Wagen gilt als Design- und Techniklegende. (Symbolbild – exemplarisch)
Ein Autohändler aus Ostwestfalen sorgt aktuell für Furore in der internationalen Oldtimerszene. Mit einem seltenen Mercedes 300 SL „Gullwing“ erzielt er Verkaufspreise in Millionenhöhe – und zieht damit prominente Käufer aus aller Welt an.
Der legendäre Sportwagen aus den 1950er-Jahren gilt unter Sammlern als Ikone des Automobilbaus. Doch der Hype rund um den Flügeltürer zeigt auch: Oldtimer sind heute mehr als nur Nostalgie – sie sind Prestigeobjekte, Kapitalanlage und Kulturgut zugleich.
Ein Gütersloher und sein millionenschwerer Flügeltürer
Der Name Hubertus Bettenworth ist in der Szene kein Unbekannter. Der Unternehmer aus Gütersloh handelt seit Jahren mit exklusiven Automobilklassikern. Doch mit dem aktuellen Verkauf eines Mercedes 300 SL Coupés hat er nun endgültig die internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Rund 1,59 Millionen Euro soll ein besonders gut erhaltenes Exemplar aus dem Jahr 1955 erzielt haben. Unter den Käufern: Prominente Sammler, darunter ein Mitglied der Birkenstock-Erben und ein Gitarrist der US-Band Blondie.
Die Geschichte eines automobilen Meilensteins
Der Mercedes-Benz 300 SL, intern auch „W 198“ genannt, wurde zwischen 1954 und 1957 als Coupé mit den markanten Flügeltüren gebaut. Insgesamt verließen lediglich 1.400 Fahrzeuge die Werkshallen. Diese geringe Stückzahl macht den Wagen heute zu einem begehrten Sammlerobjekt. Anschließend folgten ab 1957 rund 1.858 Roadster-Versionen – allerdings ohne die legendären Türen, die ihren Ursprung in der Konstruktion des Raumrohrrahmens hatten.
Warum hat der 300 SL eigentlich Flügeltüren?
Die Flügeltüren des 300 SL waren keine stilistische Spielerei, sondern technische Notwendigkeit: Der spezielle Raumrohrrahmen, der dem Wagen sein geringes Gewicht und seine Steifigkeit verlieh, ließ keinen Platz für herkömmliche Türen. Deshalb mussten die Einstiege nach oben öffnen – was dem Fahrzeug den ikonischen Look und den Beinamen „Gullwing“ („Möwenflügel“) einbrachte.
Technik trifft Ästhetik: Ein Auto seiner Zeit – und darüber hinaus
Mit seinem 3,0-Liter-Reihensechszylinder und der Bosch-Direkteinspritzung war der 300 SL ein technologischer Meilenstein. Er beschleunigte auf bis zu 260 km/h – damals ein sensationeller Wert für ein Serienfahrzeug. Damit war er nicht nur schneller als seine Konkurrenz, sondern auch das erste Serienauto mit Benzindirekteinspritzung.
Wie ist das Fahrverhalten des 300 SL im Alltag?
So faszinierend der Wagen in der Vitrine oder auf Auktionen wirkt – im Alltag zeigt er sich nicht ganz so makellos. Mehrere Besitzer berichten, dass der 300 SL bei höheren Kurvengeschwindigkeiten schwer kontrollierbar sein kann. Die Trommelbremsen wirken nach heutigem Maßstab antiquiert, der Innenraum wird bei längerem Betrieb durch den Mitteltunnel extrem heiß. Zudem kann es bei längeren Standzeiten zu Ölverlusten kommen. Der Wagen fordert also regelmäßige Pflege und Bewegung – und ist weniger ein Alltagsauto als ein rollender Mythos.
Investitionsobjekt mit Potenzial: Was kostet ein Mercedes 300 SL heute?
Der Marktpreis des 300 SL liegt heute je nach Zustand, Historie und Seltenheitswert zwischen einer und drei Millionen Euro. Einzelne Exemplare in besonders gutem Originalzustand, mit dokumentierter Rennhistorie oder in seltenen Farbkombinationen können jedoch noch deutlich darüberliegen. Das teuerste versteigerte Exemplar – ein „Alloy Gullwing“ mit Leichtbaukarosserie – wurde bei einer Auktion für über 9 Millionen US-Dollar verkauft.
Zustand | Preis (ca.) |
---|---|
Restaurierungsbedürftig | ab 800.000 € |
Gebrauchter Zustand | 1.000.000 – 1.600.000 € |
Restauriert mit Originalteilen | 1.600.000 – 2.500.000 € |
Sondermodelle (Alloy, „Barn Finds“) | über 3.000.000 € |
Einblicke in Szene und Sammlermarkt
Der Handel mit historischen Fahrzeugen hat sich in den letzten Jahren zunehmend professionalisiert. Plattformen wie Classic.com oder RM Sotheby’s geben Marktüberblicke, Clubnetzwerke wie die „Gull Wing Group International“ vernetzen weltweit rund 600 Enthusiasten. Auch auf Reddit und in Fachforen wie r/projectcar oder benzworld.org tauschen sich Sammler über Umbauten, Restaurierungen und Ersatzteilbeschaffung aus.
Gibt es heute noch Ersatzteile für den 300 SL?
Ja. Mercedes-Benz betreibt eigens dafür das „Classic Center“, das originale Ersatzteile für den 300 SL sowie andere Klassiker bereitstellt. Dadurch bleibt die Restaurierbarkeit des Fahrzeugs langfristig gesichert – ein weiterer Pluspunkt für potenzielle Käufer.
Der 300 SL als Sammlerobjekt: mehr als nur ein Auto
Die Nachfrage nach dem 300 SL ist ungebrochen. Dabei spielt nicht nur die Technik eine Rolle, sondern auch der historische und emotionale Wert. Viele Modelle sind in Familienbesitz, andere tauchen plötzlich als sogenannte „Barn Finds“ (Scheunenfunde) auf – oft seit Jahrzehnten vergessen. In den sozialen Medien kursieren Berichte von Käufern, die sogar für rostige Wracks hohe Finderlöhne zahlen, nur um ein Originalexemplar zu sichern.
„Mein Vater hat seinen Gullwing in den 70ern für 1.200 Dollar verkauft. Heute wäre er Millionen wert.“ – Reddit-Nutzer
Wie viele 300 SL Gullwings gibt es heute noch?
Von den ursprünglich 1.400 gebauten Coupés sollen laut Sammlerschätzungen etwa 900 Exemplare weltweit existieren. Viele davon sind restauriert und in Museen oder privaten Sammlungen untergebracht. Andere tauchen sporadisch auf Auktionen oder über spezialisierte Händler auf – wie nun in Gütersloh geschehen.
Was treibt die Preise in die Höhe?
Neben der geringen Stückzahl und der ikonischen Optik sind es vor allem drei Faktoren:
- Historie: Fahrzeuge mit dokumentierter Renn- oder Prominentenhistorie sind besonders gefragt.
- Originalität: Je näher ein Fahrzeug am Auslieferungszustand ist, desto höher der Wert.
- Markttrend: Der Oldtimermarkt entwickelt sich zunehmend zum Anlagesegment – vergleichbar mit Kunst oder Uhren.
Prominente und internationale Nachfrage
Der 300 SL ist nicht nur ein deutsches Kultobjekt, sondern auch weltweit begehrt. Käufer aus den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und China prägen den Markt mit. Der Verkauf in Gütersloh zeigt: Auch regionale Händler können heute international operieren, wenn sie über das richtige Produkt verfügen – in diesem Fall ein automobilgewordener Mythos mit Flügeltüren.
Ein Auto, das Geschichte schreibt – und weiterlebt
Der Mercedes 300 SL „Gullwing“ ist weit mehr als ein Oldtimer. Er ist Zeitzeuge, Kunstwerk, Technologieträger und Kapitalanlage in einem. Mit jedem Exemplar, das in einer Auktion neue Rekordpreise erzielt oder in einer Sammlung restauriert wird, wächst der Mythos weiter. Und wenn ein Autohändler aus Gütersloh es schafft, mit einem solchen Fahrzeug weltweite Aufmerksamkeit zu erregen, dann beweist das vor allem eines: Die Faszination für mechanische Meisterwerke ist ungebrochen – und sie verbindet Menschen über Kontinente hinweg.